„Inklusion: System, Wandel und Entwicklung – ‚exklusiv inklusiv, inklusiv exklusiv‘? Eine Reisevorbereitung nach U-topis“: Walther Dreher

 

Inklusions-Forschung bewegt sich im Feld der Gegenbegrifflichkeit ‚inklusiv – exklusiv‘, verwurzelt im Boden OBJEKT-bezogenen Wahrnehmens und RATIO-gebundenen Erkennens. ‚Inklusions-Forschung’ steht also in einem ‚polarisierenden Feld‘: Hebt sie sich durch eine ‚exklusive Inklusion‘ ab, dann setzt sie sich dem Vorwurf aus, moralisch überlegen sein zu wollen, denkt sie ‚Exklusion inklusiv‘ mit, dann macht dies ängstlich, vielleicht doch aussondernd zu wirken. Wie mit einem solchen Spannungsfeld umgehen?

Humberto Maturana und Francisco Varela erzählen eine Geschichte von Bewohnern einer Insel, die in ein anderes Land auswandern wollen, ohne die praktischen Künste der Schifffahrt und des Schwimmens jemals entwickelt zu haben. Wie lässt sich unter solchen Bedingungen die Sehnsucht der Inselbewohner nach neuen Ufern erfüllen?

Ich lade ein in einen Zeit-Raum ‚Open Space‘, um die Geschichte (Maturana/Varela, 1987, 268 ff.)  ganz zu erzählen, sie mit den Teilnehmer*innen pro-aktiv weiter zu entwickeln und erste ‚Schwimmzüge‘ zu versuchen, als Vorgeschmack auf die nicht unanstrengende Reise ‚in ein anderes Land‘ – nennen wir es    U-topia oder „Stepping into the field of the Future“.

Im Rahmen von ‚case clinic‘ Gruppen, deren gemeinsame Geschichte (case) auf Gedanken von Klaus Dörners ‚Verantwortung vom Letzten her‘ basiert, nähern wir uns der Erfahrung, wie ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat, „nicht nur – wie beliebt, weil schmerzfrei – vom institutions- zum personenzentrierten Paradigma, sondern – sehr viel schmerzlicher – auch vom profizentrierten zum bürgerzentrierten Paradigma“ (Dörner). Und selbst hier können wir nicht stehen bleiben

Bildhaft ausgedrückt: Nach mehr als 150 Jahre Behindertenpädagogik springt mit dem ‚Projekt Inklusion‘ das Tachometer um in eine neue ‚Nullstellung‘. Aber die Reise kann nicht einfach so weiter gehen, wie bisher. Dörners Gedanken vom ‘bürgerzentrierten Engagement’ aufnehmend versuchen diese weiterzuführen zum ‚U-topos Inklusion‘.

 

Literatur Paper:

Dörner, Klaus, Verantwortung vom Letzten her. Warum meine Anerkennung des Behinderten zu kurz springt und Solidarität überspringt oder wie professionelle Praxis mit Behinderten durch Emmanuel Levinas ethisch vollständiger zu begründen ist. In: Markus Dederich, Katrin Grüber (Hrsg.), Herausforderungen. Mit schwerer Behinderung leben, Mabuse-Verlag, Frankfurt 2007, S. 175-189

Dreher, Walther, Suchen   Finden   Gestalten, 2017 IFO und UFO, 2017 Zäsuren, 2016 zu finden: http://www.genius-for-all.de/ – Rubriken ‚Aktuelles‘ und ‚Theorie U‘

Maturana, Humberto, Varela, Francisco, Der Baum der Erkenntnis, Scherz-Verlag Bern und München 1987

Scharmer, C. Otto, Theorie U, Von der Zukunft her führen, Presencing als soziale Technik, Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2009

Scharmer, C. Otto, Käufer, Katrin, Von der Zukunft her führen. Theorie U in der Praxis, Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2014

www.ottoscharmer.com 

www.presencing.com

www.presencing.com/images: Bild ‚Crossing the threshold‘

 

Mittwoch, 22.02.2017, 19:00 – 20:30 Uhr


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