Hegemoniale Verhältnisse? Über disziplinäre (Um- und Un-) Ordnungen im Kontext inklusiver Pädagogik: Marion Döll & Jörg Mußmann

Der Begriff „Inklusion“ und auch die Konzeptionierung einer inklusiven Pädagogik wurde in den Anfängen vorrangig von der Sonderpädagogik (vgl. z.B. Sander 2001; Hinz 2002) diskutiert. Teile des Diskurses zur inklusiven Pädagogik sehen sich bis heute dem Vorwurf einer „Sonderpädagogisierung der Inklusionsidee“ und „unzureichenden terminologischen Eingrenzung“ (Veber & Fischer 2015, 98; Hinz, 2013) ausgesetzt. Hinz (2016, 38) fordert eine „Reflexion und Transformation (sonder-)pädagogischer Kategorien, deren am Defizit ansetzender […] Förderungsfokus „blinde Flecken“ […] produziert“. Die Sorge ist, dass die Engführung von „Inklusion […] auf Schülerinnen und Schüler mit ganz speziellen Bedürfnissen, z.B. auf Grund körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen […]“ dazu führt, dass beispielsweise „Mehrsprachigkeit als Form von Behinderung pathologisiert“ wird (Riemer, 2016, 175). Dies steht im Spannungsverhältnis zum Anspruch, in den schulischen Praktiken und z.B. der Lehramtsbildung Kompetenzen für inklusive Pädagogik exklusiv auszuweisen durch terminologische Markierungen. Die inklusive Pädagogik wird mittlerweile durch einen Heterogenitätsdiskurs und Diversitätsansatz bestimmt, der das Verhältnis und die „Überkreuzungen“ (intersections; Walgenbach 2017, 55) und deren Wechselwirkungen unterschiedlicher, schulisch relevanter Heterogenitätsdimensionen wie Geschlecht, Ethnizität/Nation, sozioökonomischer Hintergrund oder durch Fähigkeiten bestimmte Leistungsfähigkeit (in deren Beeinträchtigung sich die Sonderpädagogik begründet) analysieren soll. Damit steckt der Begriff der schulischen Inklusion in einem Dilemma zwischen terminologischer Autolyse und dem hegemonialen Omnipotenzanspruch, alle in der Pädagogik inkludierten Fragen exklusiv beantworten zu wollen. In unserer Diskussionsrunde im Open Space wollen wir uns diesem Dilemma nähern.

Freitag, 24.02.2017, 17:00 – 19:00 Uhr


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